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Die Token-Ökonomie

Dieser Artikel wurde erstmals auf medium.com veröffentlicht (Kranz & Iten, 2019).
Nach der grossen ICO-Welle im vergangenen Jahr haben mittlerweile Initial Coin Offerings als Methode der Kapitalerhebung durch Startups wieder stark abgenommen. Während die meisten grösseren Unternehmen mittlerweile mit Blockchain-Initiativen experimentieren, ist neben der Schaffung von Vertrauen durch die dezentrale Datenhaltung insbesondere die Tokenisierung von Nutzen, Rechten oder Vermögenswerten ein häufig genannter Use-Case der Blockchain Technologie. Doch was bedeutet das genau?
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Die Token-Ökonomie nach mm1 (Kranz & Iten, 2019)
1. Coins und Tokens
Grundsätzlich wird zwischen Coins und Tokens unterschieden. Coins (wie z.B. Bitcoin [1] oder Ether[2]) stellen native Einheiten einer Blockchain dar und dienen als Zahlungsmittel für Transaktionskosten sowie als Anreiz für die Netzwerkknoten das System aufrecht zu erhalten. Bei Blockchain-Plattformen wie Bitcoin oder Ethereum [3] bildet der Coin meist gleichermassen Zahlungs-, Nutzungs- und Investitionsfunktionalitäten ab. Durch die Herausgabe von Tokens auf diesen Plattformen können die Funktionalitäten hingegen voneinander getrennt angeboten werden. Nachfolgend sind die unterschiedlichen Arten von digitalen Vermögenswerten ersichtlich. 

Tokens sind typischerweise knappe digitale Einheiten, welche Vermögenswerte oder Wirtschaftsgüter repräsentieren. Klassischerweise werden Tokens über einen Smart Contract generiert. Ein solcher regelbasierter Vertrag vergütet hierbei die Zahlung von meist Bitcoin oder Ethereum an eine bestimmte Wallet-Adresse mit dem neugenerierten Token z.B. von einem Startup. Dies nennt man auch Initial Coin Offering oder kurz — ICO.
2. Arten von Tokens
Mit dem aktuellen Aufkommen von tokenisierten Vermögenswerten wird vermehrt auch der Begriff Security Token Offering (STO) verwendet. Etwas allgemeiner gefasst wird derweilen auch von Token Generating Events (TGE) gesprochen. Hierbei wird generell zwischen drei Arten von Tokens unterschieden:

  • Zahlungs-Token (auch Payment-Token) werden allgemein als Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel verwendet. Zahlungstoken können zum Beispiel zur Zahlung von Gebühren auf einer Blockchain und von realen Gütern verwendet werden, oder als Anreize von dezentralen Applikationen dienen.

  • Unter einem Nutzungs-Token wird ein digitales Zahlungsmittel verstanden, welches an die Nutzung einer Applikation oder Dienstleistung geknüpft ist. Ein Beispiel ist Filecoin, bei welchem der Token als Zahlungsmittel für Personen dient, welche dem Netzwerk Speicherplatz zur Verfügung stellen.

  • Ein Anlage- oder Security-Token übernimmt die Rolle von Anteilsscheinen oder Wertpapieren in digitaler Form. Hierbei sind auch Stimmrechte, Dividenden oder ähnliches möglich. Die konkreten Anwendungsfälle hängen stark von der lokalen Gesetzgebung ab.
3. Token-Generierung
Doch warum werden Token überhaupt generiert? - Obwohl sich in den letzten Jahren herausgestellt hat, dass viele Tokens betrügerische Zwecke verfolgten oder als Spekulationsobjekte dienten, bietet die Technologie erstmals die Möglichkeit, digitale Vermögenswerte dezentral zu verwahren und globale Anreizstrukturen in verteilten Netzwerken zu gestalten. Die Gestaltung von Multi-Token Ökonomien verbindet Unternehmen, Industrien, Regulatoren und Anwender und ermöglicht einzigartige Geschäftsmodelle. 

Neben den bekannten Herausforderungen der Skalierbarkeit und den hohen Energiekosten stellen sich im Bereich der Token-Ökonomie vor allem noch regulatorische Hürden. Weiter ist bislang die grösste Herausforderung, reale Vermögenswerte mit der digitalen Welt zu verknüpfen. Hierbei wird heute meist kein Vertrauen durch Dezentralisierung und die Blockchain Technologie geschaffen, sondern wie gewohnt durch Intermediäre.

Ein konkretes Beispiel einer Token-Ökonomie in der Schweiz bildet das Ökosystem der Swisscom in Kooperation mit der Deutschen Börse. Durch das Startup daura werden Aktien von Unternehmen digitalisiert und in Form von Security Tokens angeboten. Weiter stellt Sygnum dabei die FINMA-konforme Verknüpfung der Tokens mit den realen Vermögenswerten sicher und über Custodigit wird eine sichere Verwahrungslösung der digitalen Assets bereitgestellt.
Quellenverzeichnis
Kranz, S., & Iten, R. (2019, 3. Juli). Die Token-Ökonomie. Abgerufen 26. August, 2019, von https://medium.com/mm1consulting/die-token-%C3%B6konomie-5bf84a6eaa3b

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Severin Kranz

Severin Kranz arbeitet seit mehreren Jahren als Consultant im Fintech-Bereich sowie in der Vermögensverwaltung. Seit 2015 setzt er sich zudem mit dem Thema Kryptowährungen und Blockchain auseinander. Durch seinen Master in Business Innovation an der Universität St. Gallen hat er sich zudem auf mensch-zentrierte Innovationen und Design Thinking spezialisiert.