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6 Mythen über die Blockchain Technologie

Dieser Artikel wurde erstmals auf medium.com veröffentlicht (Kranz & Foeller, 2019).
Langsam, aber nicht manipulierbar? Über die Blockchain sind viele Mythen im Umlauf. Manche Unternehmen behaupten, mit ihren Blockchain-Lösungen die Welt verändern zu können. Die Blockchain Technologie lässt nicht all unsere Probleme verschwinden — allerdings bieten sogenannte Distributed Ledgers in vielen Bereichen valide Use Cases.
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6 Mythen über die Blockchain Technologie nach mm1 (Kranz & Foeller, 2019)
1. Blockchain = Bitcoin
Mit seinem Whitepaper „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System” hat Satoshi Nakamoto technisch erstmals das Problem der Doppelverwendung von digitalisierten Vermögenswerten verhindert und somit den Bitcoin als digitales Zahlungsmittel ins Leben gerufen. Die dezentrale Datenstruktur, welche dem Bitcoin unterliegt, ist heute unter dem Begriff Blockchain bekannt und ermöglicht eine sichere Datenhaltung von Transaktionen aller Art ohne regulierende Intermediäre. Die Blockchain ist demnach weit mehr als eine digitale Währung.
2. Daten auf einer Blockchain sind nicht manipulierbar
Öffentliche Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum bieten aufgrund der verteilten Datenspeicherung eine hohe Datenintegrität, durch eine grosse Anzahl von Netzwerkknoten und der gemeinsamen Validierung von Transaktionen. Eine Datenmanipulation benötigt bei einer klassischen Blockchain (Proof-of-Work) mehr als die Hälfte der Rechenleistung des gesamten Netzwerks und wird deshalb als unwahrscheinlich angesehen. Nichtsdestotrotz finden immer wieder Hackerangriffe auf verschiedene Blockchains statt, welche teilweise auch erfolgreich sind. Generell sind Blockchains mit weniger Netzwerkknoten leichter angreifbar. Zudem kommen Programmfehler (insbesondere bei Smart Contracts) oder die Kompromittierung der Zugangsdaten häufiger vor. Private Blockchains validieren Transaktionen oft durch Teilnehmer mit Admin-Berechtigungen, welche in der Lage sind dem Netzwerk zu schaden. Die Sicherheit einer Blockchain hängt demnach stark von ihrer Art und Architektur ab und steht in direkter Konkurrenz mit der Effizienz der jeweiligen Plattform.
3. Eine Blockchain ist langsam und braucht viel Energie
Ein gängiges Argument gegen Bitcoin und Blockchain ist der hohe Energieverbrauch. Dieser beruht auf der gemeinsamen Transaktions-Validierung der sogenannten Miner durch das Lösen komplexer kryptografischer Rechenaufgaben. Während der Proof-of-Work Algorithmus als sicher gilt, bedingt er eine geringe Effizienz bei hohem Energieverbrauch. Um dieses Problem zu lösen gibt es allerdings eine Vielzahl von Lösungsansätzen. Zahlreiche Programmierer arbeiten an der Verwendung alternativer Algorithmen (z.B. Proof-of-Stake) für die Validierung von Transaktionen oder versuchen durch die Beschränkung und Kontrolle der Netzwerkteilnehmer (z.B. private oder zugangsbeschränkte Blockchains) die Energieeffizienz durch höhere Transaktionsdurchsätze zu realisieren.
4. Alle Daten auf einer Blockchain sind öffentlich
Wie der Name schon sagt, sind Transaktionen auf einer öffentlichen Blockchain jederzeit uneingeschränkt einsehbar. Obwohl Teilnehmer durch Pseudonyme interagieren, lassen sich Transaktionen theoretisch (mit viel Aufwand) bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen. Private oder zugangsbeschränkte Blockchains versuchen die Privatsphäre durch die Kontrolle der Teilnehmer oder Rollenkonzepte zu erhöhen. Öffentliche Blockchain-Projekte arbeiten an Verschlüsselungstechniken oder an Lösungen, bei welchen gewisse Transaktionen ausserhalb der Blockchain durchgeführt werden um die Privatsphäre zu erhöhen. Generell gilt, dass zwischen der Sicherheit und der Privatsphäre ein Trade-off besteht. Die Wahl der passenden Datenarchitektur hängt demnach stark vom jeweiligen Use-Case ab.
5. Blockchain-Projekte sind nicht reguliert
Eine Blockchain schafft Vertrauen zwischen unbekannten Akteuren und kann dadurch Intermediäre wie Banken, Versicherer teilweise ersetzen. Da es sich noch um eine sehr junge Technologie handelt, ist der Markt zurzeit noch wenig reguliert. Trotzdem müssen sich Krypto-Börsen bei der Ausgabe von Krypto-Währungen an die bestehende Gesetzgebung halten und somit KYC- (know your customer) und AML-Prozesse (anti money laundring) einhalten. Regulatoren beobachten den Markt und setzen bereits erste Maßnahmen um. So möchten die Schweiz und auch Deutschland die bestehende Gesetzgebung punktuell anpassen, um offene Fragen pragmatisch zu adressieren. Staaten wie Liechtenstein, Malta oder Luxemburg hingegen regulieren den neuen Wirtschaftszweig mit einem dedizierten Gesetz. Wichtig für Regulatoren ist hierbei, nahe an den aktuellen technologischen Entwicklungen dabei zu bleiben und eine Überregulierung in diesem frühen Stadium zu vermeiden.
6. Für mein Projekt benötige ich eine Blockchain
Getriggert durch den Hype rund um Blockchain und Distributed Ledger Technologies, haben im vergangenen Jahr zahlreiche Unternehmen aus den unterschiedlichsten Sektoren Pilot-Projekte zur Anwendung von Blockchain gestartet. Obwohl es vorbildlich ist, sich mit der neuen Technologie vertraut zu machen, gilt es in der Zukunft jedoch bestehende Use-Cases strukturiert zu prüfen. Generell ist die Nutzung einer Blockchain sinnvoll, wenn Vertrauen zwischen unterschiedlichen Parteien über eine gemeinsame Datenbank hergestellt werden soll, eine hohe Sicherheit und somit Datenintegrität benötigt wird.
Quellenverzeichnis
Allen, M. (2018, 26. Juni). Stadt Zug macht sich fit für Blockchain-Abstimmungen. Abgerufen 12. Dezember, 2018, von https://www.swissinfo.ch/ger/direktedemokratie/digitale-demokratie_stadt-zug-macht-sich-fit-fuer-blockchain-abstimmungen/44217722

Antonopoulos, A. M. (2017). The internet of money. Merkle Bloom.

Bitcoin TV. (2016, 21. September). “Bitcoin. The Internet of Money” — Andreas Antonopoulos. Abgerufen 12. Dezember, 2018, von https://www.youtube.com/watch?v=5_FVB4UBy90

Kranz, S. & Foeller, F. (2019, 28. Juli). Sechs Mythen Über die Blockchain Technologie. Abgerufen 28. Juli, 2019, von https://medium.com/mm1consulting/sechs-mythen-%C3%BCber-die-blockchain-technologie-c47e01e64a7a

Nakamoto, S. (2008). Bitcoin: A peer-to-peer electronic cash system.

Tapscott, D., & Tapscott, A. (2016). Blockchain revolution: how the technology behind bitcoin is changing money, business, and the world. Penguin.

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Severin Kranz

Severin Kranz arbeitet seit mehreren Jahren als Consultant im Fintech-Bereich sowie in der Vermögensverwaltung. Seit 2015 setzt er sich zudem mit dem Thema Kryptowährungen und Blockchain auseinander. Durch seinen Master in Business Innovation an der Universität St. Gallen hat er sich zudem auf mensch-zentrierte Innovationen und Design Thinking spezialisiert.