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Das Internet der Werte – ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Internets

Dieser Artikel wurde erstmals auf medium.comveröffentlicht.
Eindrücke von der Podiumsdiskussion mit Don Tapscott, Bestseller-Author und Gründer des Blockchain Research Institute, Prinz Michael von Liechtenstein und Monty Metzger, CEO und Gründer von LCX sowie Organisator des Events:
1.  Vom Internet der Informationen zum Internet der Werte
2.  Das Silicon Valley des Internet der Werte
3. Die Rolle von Regierungen und Regulierungsbehörden in der neuen Ära des Internets
Don Tapscott — Blockchain erklärt in 3 Minuten
Das Konzept einer Blockchain sowie dem daraus folgenden dezentralisierten Vertrauen als Ersatz für Intermediäre ist heute bereits Vielen bekannt. Die weitreichenden Konsequenzen welche das Internet der Werte (internet of value) mit sich bringt, sind hingegen noch schwer abzuschätzen.

In seinem Buch Blockchain Revolution (vgl. Tapscott & Tapscott, 2016)versuchte Don Tapscott, sich bereits 2016 an einer möglichen Zukunft durch die Blockchain Technologie.
Vom Internet der Informationen zum Internet der Werte
Mit dem heutigen Internet leben wir in einer Welt des digitalen Lehenswesens. Im Vergleich zum Mittelalter wird statt für die Nutzung von Land für die Nutzung von Internetplattformen bezahlt. Bei vielen digitalen Services sind die Nutzer gemäss Tapscott nicht die Kunden, sondern das Produkt. Die vermeintlich freie Nutzung wird mit persönlichen Daten bezahlt. (Don Tapscott, Präsentation, 1. Dezember)
“We live in the age of a digital feudalism” (Don Tapscott)
Die grösste Innovation unserer Generation

In der Vergangenheit, war der Nutzen von IT im unternehmerischen Kontext meistens, die Verringerung der Kostenseite. Dies ändert sich mit der Einführung der Blockchain Technologie. Dezentrale IT-Systeme können Vertrauen schaffen sowie die Qualität und das Angebot von Dienstleistungen verbessern. Im Internet der Informationen war es bisher nur möglich, Kopien der originalen Daten zu teilen. Im Grunde genommen handelt es sich bei einer Webseite um nichts anderes, als eine digitale Kopie der zugrundeliegenden Informationen auf einem Server. (Don Tapscott, Präsentation, 1. Dezember 2018)

In seinem Whitepaper “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System” kombinierte Satoshi Nakamoto(2008) erstmals kryptografische Methoden mit dem Konzept der dezentralen Datenspeicherung. Somit hat er als Erster das Problem der doppelten Ausgaben von digitalen Vermögenswerten gelöst.


"The blockchain is the biggest innovation in computer science of our generation." (Don Tapscott)

Im Internet der Informationen ist der Versand von Vermögenswerten als Kopie von Geld, Wertschriften, Patenten, Wahlstimmen, Kunst, Musik, Identitäten etc. eine relativ schlechte Idee. Mit der Entwicklung der Blockchain Technologie ist im Internet der Werte nicht bloss der Übertrag von Kopien sondern der echte Transfer von Werten möglich (Don Tapscott, Präsentation, 1. Dezember 2018). Durch die Gründung von Ethereum in 2015 wurden erstmals regelbasierte Verträge für digitale Vermögenswerte (Smart Contracts) eingeführt, welche zum automatisierten Wertaustausch unter bestimmten Bedingungen führen. Sowohl die Blockchain als Datenstruktur als auch Smart Contracts als Mittel zum automatisierten Austausch von digitalen Vermögenswerten schaffen Vertrauen zwischen mehreren Parteien. Mittlerweile gibt es viele Konzepte, welche über diejenigen von öffentlichen Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum hinausgehen.Mit der Entwicklung der Blockchain Technologie ist im Internet der Werte nicht bloss der Übertrag von Kopien sondern der echte Transfer von Werten möglich (Don Tapscott, Präsentation, 1. Dezember 2018).

Der Weg zu dezentralem Vertrauen

Historisch gesehen war es ein langer Weg bis zu dezentralem Vertrauen erklärte Prinz Michael (Präsentation, 1. Dezember 2018) in seiner Eröffnungsrede. Seit jeher haben Menschen an Gold als Wertaufbewahrungsmittel geglaubt. Seit es Banken gibt, schenken Menschen den Intermediären Vertrauen bei der Aufbewahrung ihrer Vermögenswerte.
"Mit der Blockchain Technologie, ist es erstmals möglich statt Intermediären in Technologie zu vertrauen." (Prinz Michael von Liechtenstein)

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Dieses Vertrauen definiert Don Tapscott als die Erwartung an die Gegenpartei mit Integrität zu handeln.

Was Don Tapscott in Vaduz als Internet der Werte bezeichnet hat, versteht Andreas M. Antonopoulos, einer der ersten Bitcoin und Open Blockchain Experten, als Internet des Geldes. In seinem gleichnamigen Buch, beschreibt der Bestseller-Autor, wie Bitcoin und die Idee von öffentlichen Blockchains die Welt verändert (vgl. Antonopoulos, 2017).

Das Silicon Valley des Internets der Werte
Nachdem nun geklärt ist, was das Internet der Werte bedeutet, stellt sich die Frage, an welchem Ort sich ein “Silicon Valley” des Internet der Werte bilden kann. Gemäss Don Tapscott (Präsentation,1. Dezember 2018) basiert die Standortattraktivität für Blockchain Unternehmen auf den folgenden Kriterien:

  • Grösse des heimischen Marktes und Gesundheit des Ökosystems
  • Regulatorische Sicherheit und Offenheit
  • Stärke des Finanzmarkts und Kapitalerhebung für Start-ups
  • Thought Leadership und Talent-Gemeinschaften
  • Unterstützung und Verwendung durch die Regierung
  • sowie Umsetzung von Blockchain Vorhaben durch Unternehmen

Mit dem Krypto-Valley in Zug sowie dem Fürstentum Liechtenstein als Krypto-Nation richten sich zwei Finanz-Zentren im Herzen Europas sehr stark auf das Thema Blockchain aus. Mit dem Blockchain Act, möchte das Fürstentum sich zusätzlich regulatorische Sicherheit für Unternehmen im Krypto-Bereich schaffen. (Liechtensteiner Regierung, Blockchain-Gesetz, 2018) Die Stadt Zug hingegen experimentiert mit dem Einsatz der Blockchain für eine digitale Demokratie (Allen, 2018). Es zeigt sich, dass des Regulators in einem künftigen Internet der Werte einen hohen Stellenwert einnehmen sollte.
Die Rolle von Regierungen und Regulierungsbehörden in dieser neuen Ära des Internets
Gemäss Prinz Michael (Präsentation, 1. Dezember, 2018), hatte Liechtenstein schon immer eine schlanke und vorausschauende Regierung. Er ist der Überzeugung, der Aufbau einer Blockchain innerhalb der Liechtensteinischen Regierung könnte dazu beitragen, die Prozesse noch effizienter zu gestalten. Gerade dieses handeln als Vorreiter durch nationale Regierungen ist sehr wichtig für die Akzeptanz und Verbreitung der Blockchain Technologie. Gemäss Tapscott (Präsentation, 1. Dezember, 2018) könnte dies beispielsweise durch das Einführen einer digitaler Identität als Pilot-Projekt gefördert werden.
Monty Metzger (Präsentation, 1. Dezember, 2018) hebt hervor, dass Liechtenstein gerade mit dem Blockchain Act sowie der offenen Art der FMA durch das Regulierungslabor bereits auf dem richtigen Weg ist. 

Zusammenfassend erläuterte Don Tapscott, dass Liechtenstein als Kryptonation ein Vorbild werden kann, sind die folgenden 3 Schritte nötig:
  1. Durch die Verabschiedung des vorgeschlagenen Blockchain Act soll die Regierung die Grundlage für ein gesundes regulatorisches Umfeld schaffen.

  2. Durch staatliche Pilot-Projekte (z.B. durch die Einführung einer digitalen Identität) soll die Regierung ein Zeichen setzen und als Vorbild agieren.

  3. Durch regelmässige Veranstaltungen, Wissensnetzwerke und Forschung soll Liechtenstein ein Zentrum für Thought Leadership im Bereich Blockchain werden.
Quellenverzeichnis
Allen, M. (2018, 26. Juni). Stadt Zug macht sich fit für Blockchain-Abstimmungen. Abgerufen 12. Dezember, 2018, von https://www.swissinfo.ch/ger/direktedemokratie/digitale-demokratie_stadt-zug-macht-sich-fit-fuer-blockchain-abstimmungen/44217722

Antonopoulos, A. M. (2017). The internet of money. Merkle Bloom.

Bitcoin TV. (2016, 21. September). “Bitcoin. The Internet of Money” — Andreas Antonopoulos. Abgerufen 12. Dezember, 2018, von https://www.youtube.com/watch?v=5_FVB4UBy90

Nakamoto, S. (2008). Bitcoin: A peer-to-peer electronic cash system.

Tapscott, D., & Tapscott, A. (2016). Blockchain revolution: how the technology behind bitcoin is changing money, business, and the world. Penguin.

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Severin Kranz

Severin Kranz arbeitet seit mehreren Jahren als Consultant im Fintech-Bereich sowie in der Vermögensverwaltung. Seit 2015 setzt er sich zudem mit dem Thema Kryptowährungen und Blockchain auseinander. Durch seinen Master in Business Innovation an der Universität St. Gallen hat er sich zudem auf mensch-zentrierte Innovationen und Design Thinking spezialisiert.